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Klimafreundliche Ernährung – wie geht das?

Die Auswirkungen eines Produktes auf das Klima spielen für Konsumenten bei deren Kaufentscheidung eine immer wichtigere Rolle („Bewusster Konsum“). Teil des Nachhaltigkeitsengagements des Geschäftsbereichs Zucker ist es, den Verbraucher über alle Eigenschaften von Rübenzucker zu informieren. Details über diese Klimaauswirkungen können unter dem Wirkungsbereich „Bewusster Konsum“ eingeordnet werden.

Wir haben uns daher die Klimabilanzen unterschiedlicher Ernährungsweisen tiefer angesehen.

Konkret haben wir die CO₂-Fußabdrücke von vier Mittagessen betrachtet, die unterschiedlichen Ernährungsweisen zugeordnet werden können. Die Vorspeise besteht dabei einheitlich aus Weißbrot und Oliven, bezogen auf Hauptgang und Dessert können die Mahlzeiten wie folgt unterschieden werden:

  1. Gebratenes Rindfleisch mit Kartoffeln und Brokkoli; Joghurt mit Erdbeeren, mit Zucker gesüßt
  2. Gebratene Hähnchenbrust mit Kartoffeln und Brokkoli; Joghurt mit Erdbeeren, mit Zucker gesüßt
  3. Gebratene Hähnchenbrust mit Kartoffeln und Brokkoli; Joghurt mit Bananen, Erdbeeren und Honig
  4. Kartoffelpfanne mit Brokkoli, Hülsenfrüchten und Erdnüssen; Joghurt mit Erdbeeren, mit Zucker gesüßt

Die Mahlzeiten wurden so zusammengestellt, dass sie dieselbe bereitgestellte Energiemenge sowie ein möglichst realistisches Makronährstoffverhältnis aufweisen (ca. 15-20% Proteine, ca. 30% Fette und ca. 50-55% Kohlenhydrate).

Die berechneten CO₂-Fußabdrücke der vier Mahlzeiten sind in Abbildung 1 dargestellt. Den größten Fußabdruck weißt demnach die erste Mahlzeit auf, wobei knapp 85% der klimarelevanten Treibhausgasemissionen auf die Hauptzutat Rindfleisch und verzehrte Milchprodukte (Joghurt und Butter) zurückgeführt werden können. Eine deutliche Verringerung an CO₂-Emissionen (rund 25%) erlaubt der Ersatz von Rindfleisch durch Geflügelfleisch, wie anhand der Mahlzeiten 2 und 3 zu sehen ist. Der Unterschied zwischen den Mahlzeiten 2 und 3 ist auf den Ersatz von Zucker durch Honig zurückzuführen, was bei Beibehaltung der zur Verfügung gestellten Energiemenge zu einem etwas höheren Bedarf an anderen Lebensmitteln bei Mahlzeit 3 führt. Einen noch geringeren CO₂-Fußabdruck weißt die vierte Mahlzeit auf, für welche ein vegetarischer Ernährungsstil angenommen wurde und vorhandene Fleischprodukte durch Fleischersatzprodukte (Soja- und Erbsenbasis) ersetzt wurden. Trotz der gleichen zur Verfügung gestellten Menge an Energie weist die vierte Mahlzeit einen fast nur halb so großen CO₂-Fußabdruck auf wie Mahlzeit 1 und verdeutlicht, wie die Klimabilanz unserer Ernährung durch einen häufigeren Verzicht auf Fleischprodukte und ein vermehrtes Zurückgreifen auf pflanzliche Proteinquellen verbessert werden kann.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen zudem, dass vor allem kohlenhydratreiche Bestandteile der täglichen Ernährung im Zusammenhang mit einer Verursachung von Treibhausgasemissionen von untergeordneter Bedeutung und bezogen auf die zugeführte Menge an Kalorien häufig als vergleichsweise klimafreundlich anzusehen sind. Abbildung 2 zeigt einen Vergleich der CO₂-Fußabdrücke unterschiedlicher kohlenhydratreicher Lebensmittel basierend auf der zugeführten Menge an Kohlenhydraten, wobei Zucker das klimafreundlichste dieser Lebensmittel darstellt. Einerseits wird hieraus ersichtlich, dass Zucker bei geringem Beitrag zum CO₂-Fußabdruck im Bereich der täglichen Ernährung gleichzeitig einen hohen Beitrag zur Versorgung mit Kohlenhydraten leistet. Andererseits zeigt dies, dass sich bei einer Reduktion von Zucker in der täglichen Nahrungsmittelaufnahme die Klimabilanz verschlechtert, da andere Nahrungsmittel mit einem höheren CO₂-Fußabdruck das entstehende Kohlenhydrat- und Energiedefizit schließen müssen.

Welcher Zucker ist dann aus Klimasicht am Vorteilhaftesten?

Teil des Nachhaltigkeitsengagements des Geschäftsbereichs Zucker ist es, den Verbraucher über alle Eigenschaften von Rübenzucker zu informieren. Wir haben daher die Klimawirkung unterschiedlicher Formen von Zucker genauer betrachtet, wie sie auf den Tischen der Konsumenten in Europa landen: Rübenzucker, Rohrzucker, Glukosesirup, Fruktosesirup und Honig.

In gängigen Ökobilanzierungsdatenbanken und der einschlägigen Fachliteratur findet sich zu Rohrzucker eine sehr große Bandbreite zu dessen CO₂-Fußabdruck von knapp 60 bis über 1.500 kg CO₂-Äquivalenten (CO₂eq.) pro Tonne Rohrzucker. Zu beachten ist, dass sich diese Werte typischerweise auf Rohrohrzucker ex Zuckerfabrik beziehen. Bei der Bereitstellung dieses Zucker an den Kunden entstehen natürlich weitere Emissionen durch Transporte und die meist notwendige zusätzliche Raffination.

Im Rahmen eines Vergleichs aus der Sicht eines europäischen Endkunden setzt sich daher ein realistischer Wert für einen CO₂-Fußabdruck des Rohrzuckers wie folgt zusammen:

  • Rohrohrzucker am Fabriktor im Produktionsland: ca. 300 bis 450 kg CO₂eq. je t Zucker (siehe z.B. Rein, 2010; Fisher, 2013)
  • Transport nach Europa: ca. 100 bis 200 kg CO₂eq. je t Zucker
  • Zusätzliche Raffination in Europa: ca. 200 kg CO₂eq. je t Zucker

Damit ergibt sich folgendes Bild zum CO₂-Fußabdruck von Rohrzucker:

  • Importierter Rohrohrzucker: ungefähre Bandbreite von 600 bis 850 kg CO₂eq. je t Zucker
  • Importierter Rohrweißzucker: Bandbreite von etwa 400 bis 650 kg CO₂eq. je t Zucker.

Für Rohrzucker ist ferner zu berücksichtigen, dass in den Erzeugerländern häufig Landnutzungsänderungen (LUC) stattfinden, d.h. eine Ausweiterung der agrarisch genutzten Fläche durch Umwandlung von Wald, Naturflächen oder Grünland in Ackerland. Durch diese Änderungen der Landnutzung (z.B. Rodung von Wald und Nutzung als Weide oder Umwandlung von Dauergrünland zu Ackerfläche) werden größere Mengen an zuvor langfristig in Böden oder Vegetation gespeichertem Kohlenstoff freigesetzt und entweichen in die Atmosphäre. Die LUC-Effekte führen i.d.R. zu Emissionen in der Höhe von mehreren 100 kg CO₂eq. je t Rohrzucker. Dadurch ergibt sich für Rohrzucker, der aus einem Erzeugerland mit Landnutzungsänderungen importiert wurde, typischerweise ein CO₂-Fußabdruck von etwa 1.000 bis 1.500 kg CO₂eq. je t Rohrzucker.

Rübenzucker aus westeuropäischer Produktion hat typischerweise einen CO₂-Fußabdruck von etwa 500 bis 600 kg CO₂eq. je t Zucker. Wird die Fabrik mit erneuerbarer Energie betrieben (z.B. Biogas), so reduziert sich der Wert um etwa 50 %.

Für die anderen Formen des Zuckers liegen in Ökobilanzierungsdatenbanken und Literatur deutlich weniger Daten zu deren CO₂-Fußabdrücken vor. Für Glukosesirup scheint dieser demnach zwischen etwa 800 und 1.750 kg CO₂eq. (z.B. Blanco et al., 2020), für Fruktosesirup etwa 800 kg CO₂eq. (Kis et al., 2019) und für Honig zwischen rund 400 und 2.500 kg CO₂eq. (z.B. Pignagnoli et al., 2021) je Tonne Produkt zu liegen.

Abbildung 3 zeigt, dass EU Rübenzucker aus Klimasicht grundsätzlich am vorteilhaftesten abschneidet. Vergleichbar ist allenfalls importierter Rohrweißzucker. Dies aber unter der Einschränkung, dass dieser aus einem Erzeugerland stammen muss, in dem keine Freisetzung von gespeichertem Kohlenstoff durch Landnutzungsänderungen erfolgt, die in sachlichem Zusammenhang mit dem Rohranbau stehen.
Honig weißt gemäß den in der Literatur vorhandenen Informationen interessanterweise einen tendenziell höheren CO₂-Fußabdruck auf.

Im Unterschied zu Rohrzucker, dessen Herstellung in der Zuckerfabrik mit Bagasse als Brennstoff erfolgt, kann der CO₂-Fussabdruck von Rübenzucker zudem weiter verringert werden, wenn die Zuckerfabrik mit erneuerbarer Energie statt wie heute üblich mit fossiler Energie betrieben wird. Südzucker hat mit ihrer Klimastrategie beschlossen, diesen Weg zu gehen und die Fabriken im Einklang mit den im Green Deal genannten Zielen der Europäischen Union schrittweise durch Umstellung auf erneuerbare Energien klimaneutral zu machen.

Darüber hinaus kann die Klimabilanz von Rübenzucker noch weiter verbessern werden, wenn Minderungs-potentiale im Bereich des Rübenanbaus und der Logistik ermittelt und gehoben werden.

Haben Sie Interesse an weiteren Informationen oder einer ausführlichen Diskussion über die Ergebnisse und Erkenntnisse?

Literatur
Blanco et al. (2020)
Blanco, J., Iglesias, J., Morales, G., Melero, J., Moreno, J.; Comparative Life Cycle Assessment of Glucose Production from Maize Starch and Woody Biomass Residues as a Feedstock; Applied Sciences 10 (8):2946; 2020
Fisher (2013)
Fisher, J.; The variability and drivers of the carbon footprint of cane sugar; International Sugar Journal; ISSN 0020-8841; 2013
Kis et al. (2019)
Kis, F., Maravic, N., Szabolcs, K., Seres, Z.; Life Cycle Assessment of Liquid Inverted Sugar and High Fructose Corn Syrup; Analecta Technica Szegedinensia, Vol. 13, No. 1; ISSN 2064-7964; 2019
Pignagnoli et al. (2021)
Pignagnoli, A., Pignedoli, S., Carpana, E., Costa, C., Dal Prà, A.; Carbon Footprint of Honey in Different Beekeeping Systems; Sustainability 2021, 13, 11063; https://doi.org/10.3390/su131911063; 2021
Rein (2010)
Rein, P.W.; The carbon footprint of sugar; Sugar Industry, Vol. 135, No. 7; S. 427 – 434; 2010

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